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TUSCH Partnerschaft 2009/2010

Forumtheater: deutsch-türkisches Zusammenleben
mit SchülerInnen der Gustav-Freytag-Oberschule aus Reinickendorf  und  der Seniorentheatergruppe „Die Sultaninen“ vom Nachbarschaftsheim Neukölln

Die Methode Forumtheater:

Das Forumtheater ist die zentrale Methode im Theater der Unterdrückten, entwickelt von Augusto Boal, Rio de Janeiro. Es stellt dem Publikum eine Szene vor, die schlecht und unbefriedigend endet. Ein „Joker“ ermutigt das Publikum, diese Szenen im Dialog zu einem besseren Ende zu bringen. Im Forumtheater werden vor allem durch zugespitzte „Modellszenen“ Fragen aufgeworfen. Die Modelle werden meist in offenen Workshops aus den generativen Themen der Teilnehmenden entwickelt. Die Zuschauenden können sich in die dargestellten Szenen einwechseln und die Schauspielenden ersetzen. Hier geht es um die Antworten auf Fragen: Was würde ich in der dargestellten, gespielten Situation tun? Wie können wir durch unsere Ideen und unser Handeln die Szenen verändern? Pädagogischer Hintergrund ist dazu die Befreiungspädagogik oder Pädagogik der Unterdrückten nach Paulo Freire.


Forumszene der Sultaninen „Die türkische Hochzeit“:

„Ein türkisch-muslimischer Mann soll eine nahe Verwandte, seine Cousine Fatma heiraten. Die Hochzeitsvorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren, als es Emre (der junge Mann) es wagt, seinen Eltern von seiner deutschen Freundin zu erzählen und zu verstehen gibt, dass er in nächster Zeit nicht heiraten möchte, v. a. nicht seine Cousine. In der Familie löst das Entsetzen und einen großen Streit aus.“

Fragen an das Publikum:
Was kann Emre tun? Kann er sich gegen die Entscheidung seiner Eltern wehren? Kann er die Hochzeit verhindern?

Es kam zu interessanten Interventionen und einer anregenden Diskussion zwischen den SeniorInnen und den SchülerInnen über Zwangsheirat, Ehre, Familie etc.

Schnell begeisterten sich die Jugendlichen für diese Art des Theaterspiels und entwickelten in den nächsten Wochen, mit der Unterstützung von zwei ATZE TheaterpädagoInnen drei eigene Forumszenen, die sie wiederum am 28.1.2010 den Senioren in Neukölln präsentieren werden. Geplant sind auch mehrere Aufführungen in der Schule vor anderen Klassen.


Die Forumszenen der SchülerInnen zum Thema: Deutsch-türkisches Zusammenleben

  1. Szene: Familie
    Merve, ein türkisches Mädchen, hat einen sehr traditionsbewussten Vater und eine Mutter, mit der sie über alles reden kann. Eines Tages entschließt sie sich, ihren Eltern von ihrer schon länger andauernden Beziehung zu David, einem deutschen Jungen, zu erzählen, weil sie die ewige Geheimnistuerei satt hat. Ihre Freundin Denise, die mit einem türkischen Jungen zusammen ist, ermuntert sie dazu: „Es wird bestimmt alles gut gehen! Bei uns klappt das doch auch!“ David begleitet sie zu ihrer Familie. Der Vater ist entrüstet: „Ein Deutscher! Das geht nicht!“ und schmeißt David kurzer Hand vor die Tür. Merve flüchtet sich in die tröstenden Arme ihrer Mutter.

    Fragen ans Publikum:
    Wer kann hier helfen? Die Mutter? Die Freundin Denise und ihr türkischer Freund? Was kann Merve machen, um ihren Vater umzustimmen? Was kann David tun?

  2. Szene: Zukunft
    Eine Reporterin möchte für einen Fernsehsender einen Dönerladen-Besitzer interviewen. Dieser ist zunächst nicht begeistert, stimmt aber zu, weil es ja gute Werbung für seinen Laden ist. Nachdem aber die rasende Reporterin, auf der Suche nach Sensationen und tragischen Geschichten, auch noch seine Frau und seine Tochter interviewt kommt es zum Streit. Die Vorstellungen des Vaters, dass seine Tochter später einmal im Dönerladen arbeiten soll nicht den Zukunftsträumen der Tochter, sie will Mechatronikerin werden. Die Reporterin stellt unbequeme Fragen und schürt den Konflikt in der Familie – schließlich muss sie eine gute Story abliefern. Die Mutter versucht zu vermitteln, kann sich aber nicht durchsetzen, außerdem ist sie der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig. Schließlich platzt dem Dönerverkäufer der Kragen und er schmeißt das Fernsehteam vor die Tür.

    Fragen an das Publikum:
    Was ist hier passiert? Wer unterdrückt hier wen, wer setzt wen unter Druck? Was könnte man anders machen? Karriere versus Familie? Geht nicht beides?
    Etc.

  3. Szene: Liebe
    Aishe ist schon länger mit Patrick zusammen; die beiden können sich aber nur heimlich treffen, weil Patrik Deutscher und Aishe Türkin ist.

    Immer wieder muss Aishes Freundin Sarah als Ausrede herhalten, damit sich die beiden treffen können. Eines Tages werden sie entdeckt von Aishes Bruder und dessen Freund. Nach Scheidung der Eltern hat der Bruder das Sagen und er sieht durch diese Verbindung Schwester die Ehre der ganzen Familie in Gefahr.  Vor den Augen von Aishes Freundin Sarah und ihrem Freund Dennis werden die beiden getrennt und Patrik droht eine Tracht Prügel.

    Fragen ans Publikum:
    Wer könnte eingreifen, helfen? Was ist die Ehre? Wer muss in einer Familie auf wen aufpassen? Was sagt die Mutter dazu?







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