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David Ford
Macht sich riesige Sorgen um seine 95-jährige Tante, vermisst seine Familie und lernt Ukulele

Der Jahreswechsel ist noch gar nicht so lange her und was haben meine Freunde und ich auf das Jahr 2020 voller Tatendrang und guter Hoffnung angestoßen. Jetzt sitze ich zu Hause in meiner WG, schaue aus dem Fenster und sehe den blauen Himmel und die sonnendurchfluteten Berliner Straßen, und es zieht mich nach draußen, wo das nächste große Abenteuer auf mich und meine Freunde wartet.

Doch ich darf es nicht. Ich muss jetzt aushalten lernen und zu Hause bleiben.

Ungeduldig, unruhig stelle ich mir die Fragen: „Wie geht es jetzt weiter? Werde ich noch vor der Sommerpause Theater spielen dürfen? Wie kann ich meine Miete zahlen? Wann werde ich meine Familie wiedersehen?“  Wir telefonieren zwar mehr denn je, aber irgendwie ist es nicht dasselbe, wie sich in Fleisch und Blut zu sehen.

Und dann denke ich mir: „Ach komm! Du bist jung und gesund, dir kann das Virus doch nichts anhaben. Geh raus und lebe das Leben in vollen Zügen! Es wird schon nichts passieren!“ Und dann bekomme ich den Anruf: „Deine Großtante wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Sie hat etwas mit der Lunge. Es geht ihr sehr schlecht.“

Meine Großtante Käthi ist 95 Jahre alt und die tollste lebensfrohe und lustigste Person, die ich kenne. Sie ist schlau und weiß noch alles über den Krieg und über meinen Opa und den Rest meiner Berliner Familie. Sie hat so viele spannende Geschichten durchlebt, und ich höre ihr unglaublich gerne zu, wenn sie von ihnen erzählt.

Ich sorge mich um sie und weiß, dass ich nicht zu ihr darf. Ich weiß nicht, ob sie das Virus hat und ich weiß auch nicht, ob ich es vielleicht habe. Ich weiß nur das Risiko ist zu groß.

Ich will das sie lebt und ich will für sie da sein, aber für sie da zu sein heißt im Moment, ihr fern zu bleiben. Das ist zwar zermürbend aber das einzig Richtige, was ich tun kann für sie und alle anderen Käthis auf dieser Welt.

Also bleibe ich weiterhin zu Hause und bin froh meine WG zu haben und nicht alleine zu sein. Mein Mitbewohner Klong ist aus Thailand und kocht die leckersten und duftendsten Speisen und mein anderer Mitbewohner Tobi und meine Freundin Ulla üben fleißig auf der Ukulele und kochen nicht weniger gut.

Ich habe mir auch eine Ukulele besorgt per Post. Irgendwie ist es auch ein neues Abenteuer ein neues Instrument zu lernen. Wenn die Epidemie vorbei ist, spielen wir Käthi ein Ständchen. Da wird sie staunen.

Ich hoffe sehr, dass der Spuk irgendwie bald vorbei ist und wir uns alle wieder gesund und munter im Atze sehen können.

Bis dahin, euer David.

 


>> Briefe von Zuhause #9


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