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Hauke Heumann
beginnt den Tag mit einem Ingwershot und erinnert sich beim täglichen Klimmzug an magische Momente

„Hallo liebe Leute!

Ich muss schon sagen, dass mich die derzeitige Situation ganz schön überfordert. Ich habe so eine globale Krise noch nie erlebt und schwanke zwischen Ängsten und einer angespannten Normalität. Ich schlafe gerade ziemlich lang und dann mache ich als ersten einen gesunden Ingwershot mit viel Zitronensaft und Honig, sauer, scharf und süß! So komme ich am Morgen in Schwung. Ich mache viel Yoga und Klimmzüge Stange in der Küche. Die Höhepunkte des Tages sind Einkaufen und Fahrradtouren!

Was sich gerade noch geändert hat: Ich kann wieder gut lesen. Oft, wenn ich probe, geht das gar nicht, aber jetzt habe ich mir wieder dicke Wälzer vorgenommen. Es ist schön, in verrückte Welten abzutauchen und sich ganz darin zu versenken... Und ich schlafe sehr gut, weil es draußen so ruhig ist, wie schon lange nicht mehr. Ich wohne sonst an einer recht belebten Straße, wo ich am Morgen oft von Geräuschen geweckt werde. Aber jetzt ist es sehr, sehr still.

Angst macht mir, dass die Entwicklung des Virus nicht abzusehen ist. Wann werden wir zur Normalität zurückkehren? Auch die Sorge um Minderprivilegierte macht mir zu schaffen: die Risikogruppen, meine Eltern, Freunde mit Immunkrankheiten, sie alle sind stark gefährdet. Und was bedeutet die virusbedingte Einschränkung der Bürgerrechte für das Leben in unserer Demokratie? Kriegen wir die Rechte wieder zurück? Die Coronakrise fördert vieles zutage, was nicht gut läuft: die schlechte Bezahlung und Ausstattung im Gesundheitswesen, wie prekär Künstler*innen leben und vieles mehr. Ich hoffe sehr, dass nach der Krise an diesen Ungerechtigkeiten etwas fundamental geändert werden kann. Ich mache mir aber auch Sorgen um Geflüchtete und Flüchtende. Es gibt so viele andere Dinge, um die man sich kümmern müsste, nicht nur um das Coronavirus. Die unmenschliche EU-Außenpolitik, das Erstarken der neuen Rechten, der Rassismus in Deutschland, das sind weiterhin brennende Probleme!

Am Anfang, als man immer weniger machen konnte, wurde ich melancholisch und habe mich ganz zurückgezogen, wollte niemanden mehr anrufen. Seit zwei Tagen geht es besser, ich habe mit vielen Kolleg*innen telefoniert, und gehört, wie sie die Situation wahrnehmen. Das hat mir geholfen mich nicht so allein zu fühlen. Dann kamen ein paar E-Casting-Anfragen hereingeflattert, das hat mich auch aufgemuntert: Gut, wenn man doch ein bisschen arbeiten kann!

Mit der aktuellen Premierenproduktion „Rodrigo“ ist es ganz verrückt, weil wir gerade so gut in Schwung kamen mit den Proben - und jetzt ist dieser ganze Prozess eingefroren.  Ich finde, dass man schwer zuhause alleine weitermachen kann. Natürlich gehe ich immer noch mit der Figur schwanger, übe die Lieder, aber am liebsten würde ich PROBEN!!!

Wir haben eine Produktions-WhatsApp-Gruppe, in der wir Sachen gepostet haben. Diese Sachen jetzt anzuschauen hat mich sehr gerührt. Genau wie in der Zeit, als wir nicht wussten, ob wir weiter proben können: Da sind an einem freien Tag Jochen und Noemi, der Bühnenbildner und seine Assistentin, auf die Probebühne gegangen und haben das ganze Bühnenbild angemalt. Zuvor hatten wir mit braunen Papp- und Holzelementen geprobt, und dann wurde die ganze Rodrigo-Welt auf einmal farbig. Das war ein ganz magischer Moment!

Ich hoffe sehr, dass wir bald weiterarbeiten können, um unsere spannende Arbeit dann zu einer Premiere zu führen!“

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Hauke Heumann ist in der aktuellen, auf Eis gelegten Premierenproduktion „Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe“ in der Titelrolle des berüchtigten Raubritters besetzt.

 


>> Briefe von Zuhause #7


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