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Cornelia Werner
hamstert Zitronen und hofft auf den Niedergang der rechten Szene
Jeden Morgen mache ich mir wie gewohnt mein basisches Zitronenwasser. Ich muss immer genug Zitronen im Haus haben. Manche besorgen sich viel Klopapier. Ich hamstere eher Zitronen.

Aktuell stelle ich stelle mir viele Fragen? Was ist wirklich wichtig im Leben? Mich wirft die Krise zurück auf das Wesentliche – und mir ist überhaupt nicht langweilig. Endlich Zeit!

Dem System Kapitalismus werden plötzlich ihm völlig gegensätzliche Werte abverlangt. Durch die Krise schaffen wir es nur gemeinsam. Die neuen Helden sind all die Menschen, die im Gesundheitswesen und im Pflegebereich arbeiten oder im Supermarkt für uns an der Kasse sitzen. Ich hoffe sehr, dass die Krise uns zurückführt und einen Wandel der Werte auslöst. Empathie, Mitgefühl, Solidarität und ein funktionierendes Gemeinwesen sind die Säulen, die uns als Gesellschaft tragen!

Ich hoffe das unser Theater gut durch die Krise steuern wird, und wir bald wieder vor vielen
neugierigen Kinderaugen spielen können. Meine Gedanken sind vor allem bei den Menschen, die die Krise besonders hart trifft. Den Ärmsten und Schwächsten auf der Welt. Ich hoffe, dass keine große humanitäre Krise ausgelöst wird, wenn z.B. auf Lesbos in den Flüchtlingslagern auch noch Corona ausbricht.

Durch Corona gewinnt der Staat wieder an Autorität, und ich wünsche mir, dass die richtigen Schritte eingeleitet werden. Mehr Mensch, weniger Markt, weniger Hörigkeit gegenüber den Big Playern. Es ist keine Zeit und Energie mehr für Spinner, Rechte, Hetzer, Arschlöcher, Egoisten und Rassisten, Harz6 TV und Germany´s Next Top Model. Jetzt müssen mal die relevanten Themen in der Gesellschaft angegangen werden.

Persönlich empfinde ich es gerade als großes Geschenk und ich bin mir sehr bewusst, dass es den meisten Menschen da draußen nicht so gut geht, dass sie Ihre freie Zeit mit Sport, Bücher lesen, quatsch machen und musizieren verbringen können. Ich versuche zu helfen und für andere da zu sein. Noch nie habe ich so viel mit meiner Familie telefoniert. Das Verhältnis mit meinem Vater hat sich im Positiven intensiviert. Dafür bin ich sehr dankbar, da wir viele Jahre kaum Kontakt hatten.

Seit ich ungefähr 9 Jahre alt war, habe ich mich immer gefragt, was das für ein schräges und ungerechtes System ist, dieser Kapitalismus, der nur funktioniert, wenn alle Leute viel und ständig kaufen, konsumieren und das Geld statt der Mensch im Mittelpunkt steht. Das fand ich schon immer sehr seltsam. In der 10. Klasse haben wir mal ein Video gesehen, im Erdkunde-Unterricht, das hieß „Crash 2030“. Der Film schilderte Szenarien, die jetzt stattfinden! Es war zwar keine Virus-Pandemie, aber eine weltumfassende Katastrophe. Vielleicht habe ich mich dadurch schon damals, seit 20 Jahren, innerlich und unterbewusst, vorbereitet auf dieses besondere Jahr!?

Ich freue mich sehr, bald meine Kollegen wiederzusehen, wieder auf der Bühne zu stehen und weiter an der Figur der Flip zu arbeiten. Flip ist eine Prinzessin, und ich würde mich selbst eher als unkonventionelle Besetzung einer Prinzessin sehen, was ich sehr spannend finde. Hier in der Isolation zu Hause, im 4.Stock meiner Wohnung, fühle ich mich ein bisschen, als würde ich allein im Prinzessinnen-Turm hocken und sehnsüchtig auf meine Entführung warten, raus in die Welt, um Abenteuer zu erleben.

Bis es weitergeht, fahre ich mehrmals die Woche mit dem Rad, in den Wald und tobe mich dort aus.
Ich glaube am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende. (Oskar Wilde). Vielleicht bringt uns diese Krise wieder mehr Demut vor dem Leben und unseren Taten.“

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Cornelia Werner spielt bei uns die Ronja in Ronja Räubertochter und ist daneben auch in „Die Hühneroper“ und „Albirea“ zu erleben. Wenn „Rodrigo Raubein“ zur Premiere kommt, wird sie dann endlich entführt – allerdings nicht aus einem Prinzessinnen-Turm


>> Briefe von Zuhause #16


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