Ticket-Hotline
030 817 991 88
tickets@atzeberlin.de

Tanja Watoro
Probt bereits für ein neues ATZE Stück, spielt viel Charango und denkt viel an ihre Freunde in Bolivien

Einen Tag vor der Schließung stand ich abends im Theaterforum Kreuzberg auf der Bühne und konnte noch nicht so ganz begreifen, dass es erst einmal die letzte Aufführung sein wird. Am nächsten Tag war dann definitiv klar, dass sowohl das ATZE, als auch das Theaterforum erst einmal schließen werden und ich damit vorübergehend nicht mehr spielen darf. Dennoch kam bei mir nicht der Tiefpunkt, den man als freischaffender Künstler so gut kennt. Ich habe mich stattdessen sofort mit Begeisterung zusammen mit Iljá Pletner (der auch am ATZE spielt) in die Vorbereitung für ein neues Stück für die Zeltbühne gestürzt. Wir hoffen, dass etwas Gutes dabei herauskommt und wir es vielleicht im Herbst im ATZE zeigen können. Aber auch wenn wir es nicht aufführen können, der kreative Prozess lohnt sich auf jeden Fall (wovon übrigens auch das Stück handeln soll).


Ich nutze die Zeit zu Hause auch, um mehr Charango (ein Saiteninstrument aus Südamerika) zu üben und Lieder zu schreiben, was mir im Moment sehr große Freude bereitet. Während ich Charango spiele denke ich oft an meine Freunde in Bolivien. Ich mache mir Gedanken, wie für sie dort die Zeit des Corona-Virus wird. Für die Bevölkerung in Bolivien ist es viel schwerer, ein Land, das kaum finanzielle Hilfen für die arme Bevölkerung hat, und auch die medizinische Versorgung ist sehr schlecht. Es gibt nur wenige und schlecht ausgerüstete Krankenhäuser.

In dieser Ausnahmesituation sehe ich auch Vorteile, die wir uns irgendwie beibehalten sollten. So haben z.B. meine Nachbarn und auch ich viel mehr Zeit für Gespräche im Hausflur oder auf der Straße (natürlich mit dem vorgeschriebenen Abstand zueinander). Diese Situation macht die Menschen in meinem Umkreis hilfsbereiter und wachsamer untereinander. Das geht oftmals in der alltäglichen Arbeitswelt und dem Zeitdruck verloren. Auch die bessere Luft durch weniger Verkehr in der Stadt und weniger Flugzeuge ist etwas, was ich mir für die Zukunft für Berlin und unsere ganze Umwelt wünsche. Ansonsten sind wir (Ilja und ich) viel im Garten. Wir haben Spaß beim Umgraben und Bepflanzen. Ich habe gerne meine Hände in der Erde, begegne dort Regenwürmern, Larven, Spinnen und Ameisen. Sie sind für mich wichtige „Kontakt-Personen“, bei denen ich auch keinen Mindestabstand einhalten muss! Nach dem Tag an der frischen Luft schlafe ich dann am Abend viel besser ein.
Ich wünsche, dass alle gesund durch diese Zeit kommen und vielleicht auch etwas Positives für sich darin finden können.“

------------------------------------

Tanja Watoro spielt bei uns in „Emil und die Detektive“, "Ben liebt Anna" sowie in „Zwei für mich, einer für dich


>> Briefe von Zuhause #14


© Atze 2020 | E-Mail an Atze | Kontakt | Webadmin | Impressum | Datenschutz