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Simone Witte
empfiehlt in der kontaktlosen Zeit mal einen Baum zu umarmen

Mein Tag beginnt eigentlich so wie immer: Ich gehe joggen im nahen Wald, und wenigstens das Wetter ist auf unserer Seite. Draußen riecht es schön und es blüht schon so vieles und man könnte meinen, eigentlich ist alles wie immer. Mitte letzter Woche fiel mir auf, dass ich während des Laufens von vielen Menschen auffällig freundlich gegrüßt wurde. Noch fühlte es sich fast wie Urlaub an. Heute begegne ich merklich weniger Leuten und diese sehen mitunter nicht mehr ganz so fröhlich aus, denn so langsam ist die ernste Situation bei den meisten angekommen.

Unsere Tochter (25) ist wieder zu uns gezogen und auch wir üben uns im Miteinander und versuchen, nicht in alte Muster zu verfallen. Auch sie kann derzeit nicht richtig studieren (Schauspiel) und auch für sie fallen Vorstellungen an der Schaubühne weg und somit Geld um ihre Studentenbörse aufzubessern. Wir hören jetzt öfter lustige Töne aus meinem Zimmer, wenn sie per Skype Sprecherziehung macht oder Stimmbildung mit ihrem Gesangsdozenten.

Ich lerne derweil Englisch, mein Mann übt Gitarre für das nächste Filmprojekt, das ihm abgesagt wurde, aber hoffentlich nur verschoben ist. Wir haben viele Spiele wiederentdeckt, wechseln uns auf der Wiese vor unserem Haus mit anderen Nachbarn ab, spielen Federball. Abends ist jeder mal dran mit kochen.

Dann ist da noch meine Mama, die in Marzahn wohnt. Wir telefonieren täglich mehrmals, denn sie ist dort allein. Ich bringe Einkäufe zu ihr und gehe mit ihr spazieren gehen, mit zwei Meter Abstand zueinander. ich denke, das kann ich noch verantworten, denn auf keinen Fall möchte ich sie gefährden.

Ich hoffe so sehr, dass diese seltsame Zeit auch Gutes mit sich bringt, wir uns selbst ein bisschen besser kennenlernen, unsere Stärken und Schwächen und daraus etwas Bleibendes mitnehmen.

In diesem Sinne: Bleibt gesund, freundlich zu einander und, soweit es geht, gelassen.  Besonders Familien mit kleinen Kindern, pubertierenden jugendlichen oder kleinen Wohnungen wünsche ich starke Nerven.

Und ach, übrigens habe ich, in Ermangelung von sonst vielen Umarmungen, heute im Wald einen Baum umarmt. Ich mach sowas sonst nie, weil ich das albern finde. Aber ich muss euch sagen, diesen starken Baum mit seinem sicheren Stand durch seine Verwurzelung zu spüren, hat sich unglaublich toll angefühlt!

Herzliche Grüße, Simone

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Simone Witte spielt bei uns seit vielen Jahren das Sams. Daneben ist sie u.a. in „Ben liebt Anna“,  im herrlich-schrägen Federkleid  in „Die Hühneroper“ oder als schnippisch-pompöse Fürstin in „Bach – das Leben eines Musikers“ zu sehen.


>> Briefe von Zuhause #4


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