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Christian-O. Hille
Bunkert kein Klopapier, sondern ein E-Piano

„Ich bin mit einem Köfferchen zu meiner Freundin gezogen, habe mein Akkordeon mitgebracht, ein E-Piano habe ich hier sowieso gebunkert, und übe mein Instrument für die Proben zu „Rodrigo Raubein“. Hab’ quasi ein Homeoffice in der Küche eingerichtet. Die Nachricht vom Probenstopp hat mir dann doch auf den Magen geschlagen, weil ich sehr gehofft hatte, dass wir noch weiter machen können... 

 Die Tage sind ansonsten entschleunigt, und das tut auch mal gut; ich habe schon die Anforderung an mich, in dieser Zeit kreativ sein zu können, ob mir das gelingt, werde ich später sagen können. Auch die Tochter meiner Freundin, die in Hamburg eine Ausbildung macht, ist inzwischen wieder hier eingezogen, und wir drei werden sehen müssen, wie wir zusammen in dieser Situation klar kommen.

Ich bekomme schon eine kleine Rente, weshalb ich nicht so hart wie andere Kollegen getroffen bin, die keine weiteren Einnahmen haben. Sorgen mache ich mir dennoch, denn meine Rente allein reicht nicht und unser Theater liegt mir am Herzen. Ich möchte nicht, dass es Schaden nimmt. Ich sorge mich um das ATZE Musiktheater, wie ich mich auch um alle anderen auch sorge, deren Arbeit wichtig für die Kultur und Gesellschaft ist.

In all diesen Herausforderungen sehe ich eine Chance, etwas grundsätzlich Wichtiges zu erfahren und hoffe sehr, dass wir das alle nutzen können. Ich hoffe sehr, dass unsere Gesellschaft solidarisch genug ist, um gerade die Menschen zu unterstützen, die auf freie, künstlerische Arbeit gesetzt haben und nicht auf eine Karriere, die nur gutes Geld garantiert! Zunächst wird es aber die Schwachen am stärksten treffen und die Machtverhältnisse wird auch ein Virus nicht verändern. Ich hoffe also sehr vorsichtig auf eine weltweite Bewusstwerdung und Erkenntnis. Eine Chance gibt es immer ...

So ändert sich der Seelenzustand mehrfach am Tage, es gibt Stunden in denen ich arbeiten kann und andere, die mich lähmen - im Großen und Ganzen komme ich mir merkwürdig gelassen vor - auch ein wenig schicksalsergeben, was ich sonst nicht so mag, wollte ich ihm doch gern, wie Beethoven in den Rachen greifen! Angesichts einer solchen Bedrohung werden aber auch wieder Bescheidenheit, oder gar Demut Begriffe, über die nachzudenken ist.

Herzlicher Gruß vom Christian

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Christian-Otto Hille spielt bei uns in „Oh wie schön ist Panama“, in „Mäuseken Wackelohr“ und wird auch in der in diesem Jahr noch kommenden Premiere von „Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe“ mit dabei sein. Außerdem führt er verschiedene theaterpädagogische Workshops durch.

 


>> Briefe von Zuhause #2


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